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wohnhaus odf, 2025

erweiterung mfh eh 55 in hain-gründau

das projekt geht von einem bestehenden freistehenden mehrfamilienhaus aus den 1990er jahren mit einem seitlich angeordneten nebengbäude aus. ziel neben der energetischen sanierung war nicht eine additive erweiterung, sondern die entwicklung einer eigenständigen architektonischen figur, die den bestand räumlich ergänzt und zugleich bewusst kontrastiert.

die aufgabenstellung umfasste die erweiterung der erdgeschosswohnung des hauseigentümers sowie die schaffung zusätzlichen wohnraums auf dem nebengbäude. dieser ist räumlich mit der hauptwohnung verbunden, kann jedoch bei bedarf als eigenständige einliegerwohnung abgetrennt werden. parallel dazu wurden teile der gebäudehülle des bestandsgebäudes energetisch ertüchtigt, sowie die bestehende öl-heizungsanlage durch ein zentrales wärmepumpensystem mit pv zur eigenstromerzeugung ersetzt, um das gebäude vollständig mit erneuerbaren energien zu versorgen.

der architekturentwurf formuliert eine autonome gebäudeskulptur, die sich in materialität, konstruktion und räumlicher organisation klar vom bestand absetzt und diesem als architektonisches gegenüber begegnet. realisiert wurde der anbau-gebäudeteil in individuell geplanter holzrahmenbauweise mit sichtbarer brettsperrholzdecken- und -dachkonstruktion, großzügigen verglasungen und einer horizontal gegliederten, silbrig schimmernden holzfassade, die dem baukörper eine präzise und zeitgenössische präsenz verleiht.

vom bafa wurden mit 87.000 € rd. 25 % zuschuss auf die energetischen modernisierungsmaßnahmen gewährt. damit konnten auch die holzbau-konstruktionen der wohnraumerweiterung mit gefördert werden.

kostenkennwerte

BRI
1.276 €/m³
BGF
3.259 €/m²
WF|NF
4.918 €/m²

projekt: erweiterung, energetische sanierung, neue wp heizung mit pv
leistungsphasen: 2-8, energieberatung und -planung
lage: hain-gründau
bauherr: privat
projektarchitekt: harald etzemüller
mitarbeit: sascha hilgendag, christin kracht, johannes ringer lüderwaldt, bahij shoman
projektzeitraum: 2023-25
energieeffizienzklasse: A+ | primärenergiebedarf 27.0 kWh/(m²·a) | kfw EH 55 EE äquivalent
bri – bgf – wohnfläche: 424 m³ – 166 m² – 110 m²

baukosten kgr 300 + 400 (kostenstand 08.2022): 541.000 €
gewährte förderungen (beg einzelmaßnahmen): 87.000 €

erdgeschoss

obergeschoss

querschnitt

die bestehende erdgeschosswohnung wird über einen großformatigen durchbruch mit der erweiterung verbunden. zwei stufen nach unten markieren den übergang in den neuen wohnraum und differenzieren bestand und neubau räumlich. der erweiterte wohnbereich öffnet sich über eine großzügige eckverglasung zum terrassenraum; eine schiebetür ermöglicht den direkten austritt ins freie.

ein teil des wohnraums ist als vertikale raumerweiterung ausgebildet: ein atriumartiger luftraum mit holztreppe verbindet das erdgeschoss mit der obergeschossigen erweiterung. dieser treppenraum wird über ein großzügiges oberlicht von oben belichtet und bildet als zentrales raumereignis die »lunge« des entwurfs. der kupferfarbene wandanstrich verstärkt die atmosphärische wirkung des atriums und setzt einen bewussten farblichen akzent.

im obergeschoss erweitert sich der raum zu einem arbeits- und wohnbereich mit rahmenloser eckverglasung und blick in den grünraum. von hier aus ist die dachterrasse direkt erschlossen. seitlich angeschlossen und zusätzlich über einen steg mit dem treppenhaus des bestandsgebäudes verbunden liegt die bei bedarf abtrennbare einliegerwohnung mit offenem wohn- und küchenbereich, einer eigenen dachterrasse zum grünraum sowie badezimmer. eine weitere holztreppe führt auf eine offene empore, die den durch die konstruktion determinierten innenraum als zentralen entwurfsbaustein in seiner gesamten ausdehnung erlebbar macht und die architektonische idee des offenen, fließenden raumgefüges fortschreibt.

die dachkonstruktion folgt einem konstruktiv reduzierten prinzip: brettsperrholzplatten lagern auf in der wandkonstruktion integrierten fußpfette auf. die firstpfette ist als stahlbauteil in form eines mercedes-sterns ausgebildet und oben aufgesetzt, sodass im innenraum die reine holzkonstruktion sichtbar bleibt. die gedämmte dachfläche ist gartenseitig mit anthrazitfarbenen ziegeln gedeckt; die nach süden geneigte dachfläche integriert eine indach-photovoltaikanlage zur unterstützung der wärmepumpenheizung und der trinkwarmwasserbereitung. die erweiterung ist vollständig mit fußbodenheizung ausgestattet.

neben architekturplanung und bauüberwachung übernahm unser büro auch die energieberatung (isfp), die energetische fachplanung sowie die baubegleitung inklusive förderanträge und abrechnung. der erweiterungsbau erreicht die energieeffizienzklasse a+ mit einem primärenergiebedarf von 27 kwh/m²a und entspricht damit einem kfw-effizienzhaus 55 ee.

die ausführung erfolgte ausschließlich durch lokale handwerksbetriebe. die eingespielte zusammenarbeit der beteiligten unternehmen ermöglichte einen präzisen und reibungslosen bauablauf.