wohnhaus cs, 2023

energetische modernisierung mehrfamilienhaus in offenbach

das doppelhaus aus dem jahr 1911 im offenbacher stadtteil bürgel steht unter denkmalrechtlichem ensembleschutz. ursprünglich waren die fachwerkkonstruktionen der ober- und dachgeschosse mit naturschiefer verkleidet. im zuge früherer modernisierungen wurde diese historische hülle entfernt und teilweise durch eine energetisch wie bauphysikalisch unzureichende polystyrol-wärmedämmung ersetzt.

das sanierungskonzept sah eine sanierung der gebäudehülle und ein austausch der heizungstechnik vor, mit dem ziel einer größtmöglichen energieautarkie. mit einem primärenergiebedarf von 253 kwh/(m²·a) zählte das gebäude vor der sanierung zu den sogenannten worst performance buildings (wpb) und war damit in besonderem maße förderfähig. nach der sanierung beträgt der primärenergiebedarf nur noch 40 kwh/(m²·a).

ziel energieautarkie: 77 % des primärenergiebedarfs wird durch die wärmepumpe und die photovoltaik regenerativ erzeugt.

kostenkennwerte

BRI
545 €/m³
BGF
1.588 €/m²
WF|NF
2.118 €/m²

projekt: energetische modernisierung
leistungsphasen: 3-4, 6-8, energieberatung und -planung
lage: offenbach-bürgel
bauherr: privat
projektarchitekt: harald etzemüller
mitarbeit: sascha hilgendag, bahij shoman
projektzeitraum: 2021-23
energieeffizienzklasse: A | primärenergiebedarf 40,1 kWh/(m²·a) | kfw EH 70 EE (77 %)
bri – bgf – wohnfläche: 595 m³ – 204 m² – 153 m²
baukosten kgr 300 + 400 (kostenstand 11.2022): 324.000 €
gewährte förderungen (beg einzelmaßnahmen): 88.000 €

kellergeschoss – erdgeschoss

obergeschoss – dachgeschoss

 

das sanierungskonzept sieht den vollständigen ersatz des fossilen energieträgers öl durch eine luft-wasser-wärmepumpe vor. die benötigte hilfsenergie wird über eine neu installierte photovoltaikanlage erzeugt und in einer solarstrombatterie zwischengespeichert. die wärmepumpe ist so ausgelegt, dass die bestehende wärmeverteilung sowie die vorhandenen heizkörper in den vermieteten wohnungen weiterhin genutzt werden können.

die trinkwarmwasserbereitung erfolgt dezentral über frischwasserstationen, die jeweils durch kleine abluft-wärmepumpen in den wohnungen unterstützt werden. dieses system erfordert wohnungslüftungsanlagen als reine zuluftsysteme, die gleichzeitig zur verbesserung des raumklimas und zur erhöhung des wohnkomforts beitragen.

die fassaden werden mit einer verputzten mineralwolldämmung versehen – nicht zuletzt aus brandschutztechnischen gründen bei einem gebäude der gebäudeklasse 4. in enger abstimmung mit der denkmalpflege wird besonderer wert auf die gestalterische ausformulierung der fassaden gelegt: präzise modellierte fensteröffnungen mit sturz- und brüstungsgesimsen, gerundete fensterleibungen sowie die verdeckte integration von lamellenjalousien akzentuieren den historischen charakter des ensembles mit zeitgenössischer bautechnik.

durch die umfassende energetische sanierung wird das gebäude substantiell für die anforderungen des 21. jahrhunderts ertüchtigt. der eigentümer verfolgt dabei konsequent das ziel einer möglichst hohen energetischen autarkie – im einklang mit denkmalschutz, bauphysik und zeitgemäßem wohnkomfort.